Lieblingsunterkünfte, Nicaragua

Morgan’s Rock, ein Stück Himmel in der grünen Hölle


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Wir hatten Morgan’s Rock gerade erst verlassen, da sah es so aus, als müssten wir wieder umkehren. Ein Unwetter in der Nacht hatte die Straße unter Wasser gesetzt. Wir wären darüber nicht traurig gewesen, denn die Ecolodge am Pazifik in Nicaragua ist das Paradies auf Erden – genauer gesagt, ein Stück Himmel in der grünen Hölle.

Es gibt Orte, deren Zauber so stark ist, dass die restliche Welt nicht mehr zu existieren scheint. Orte, die so urgewaltig sind, das man vollkommen ruhig und hellwach zugleich wird. Orte, an denen man sich wie auf einer kleinen Insel fühlt, losgelöst von allem, obwohl sie nicht auf einer kleinen Insel liegen.

Die Hacienda & Ecolodge Morgan’s Rock bei San Juan del Sur in Nicaragua ist ein solcher Ort. Sie hat sich mitten in Naturgewalten gebettet – in den Regenwald direkt an der Pazifikküste. Vom Hauptgebäude, zu dem eine Bar, ein Restaurant und ein Swimmingpool gehören, sind die 15 Bungalows nicht zu sehen, sie liegen weit versprengt im Dschungel. Der Weg dorthin führt über eine zitternde Hängebrücke.

Die Brücke scheint aber auch das einzige zu sein, was hier schwankt. Denn Morgan’s Rock ist kein Hotel, sondern ein Projekt. Für das ökologische und soziale Gleichgewicht wird Nachhaltigkeit sorgsam durchdekliniert: Die Mitarbeiter stammen fast alle aus der Umgebung. Im Restaurant kommen Obst, Gemüse und Fleisch von der angeschlossenen Hacienda auf den Tisch. Und in den Zimmern braucht man mitgebrachte Duschmittel gar nicht erst auszupacken: Neben den Waschbecken stehen biologisch abbaubare Kosmetikprodukte parat.

Morgan’s Rock ist ein architektonisches Gesamtkunstwerk aus Holz und Stein, das sich in den Regenwald einfügt, als gehörte es schon immer dazu. Die Bungalows sind frei von TV und Internet, und auf dem Nachttisch steht kein Telefon, sondern ein Hinweis darauf, was draußen so alles kreucht und fleucht: Spinnen, Schlangen und eine Vielfalt von Insekten. Die Zimmerwände bestehen zur Hälfte aus Stein und zur Hälfte aus Netzen, wie auch sonst alles in minimalistischem Öko-Schick gehalten ist. Auf der Terrasse baumelt ein balinesisches Bett, und nur ein paar Stufen durch den Wald sind es bis zum weitläufigen Hotelstrand mit Hütten und Hängematten.

Mittendrin und trotzdem geborgen – so fühle ich mich des Nachts im weichen King-Size-Bett. Das Rauschen des Regens vermischt sich mit dem Rauschen des Pazifiks und meinem Traum, in dem sich mein Bett in ein Floß verwandelt und einen rauschenden Fluss hinuntertreibt.

Dass es wie aus Eimern geschüttet haben muss, wird am nächsten Morgen klar, als wir Richtung Managua aufbrechen. Von der Hauptstadt Nicaraguas sollen wir heute zurück nach Deutschland fliegen. Doch die einzige Straße steht unter Wasser. Und darin stecken schon zwei andere Fahrzeuge fest.

Nicaragua Überschwemmung
Wenn es in Nicaragua kräftig schüttet, kann das so aussehen.
Fotos: pa

Nach zwei Stunden mit viel Geschiebe, Geziehe und Gefluche sind die Autos aus der Überschwemmung heraus. Der Wasserpegel ist etwas gesunken, und so wagen wir mit unserem Kleinbus die Passage: Füße hochziehen, Gepäckstücke hochhalten – und durch! Es klappt. Leider. Adios, Morgan’s Rock, du pure, grüne Luxuswucht.

Morgan’s Rock: www.morgansrock.com

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