Im Paradies ohne Palmen und Apfelbaum

Nie wieder will ich auf einer unbewohnten Insel der Malediven …

… festsitzen. Erst als das Motorboot nur noch ein weißer Punkt auf dem aquamarinblauen Meer ist, wird mir unsere Lage so richtig bewusst. Man hat uns auf einer winzigkleinen Insel mitten im Indischen Ozean ausgesetzt. Auf einem Pünktchen Land mit nichts außer Sand. Auf einem backpulverweißen Etwas ohne Palmen, Sträucher, Häuser. Kein Mensch und kein Tier nirgendwo. Kein Schatten, kein Trinkwasser, nicht eine einzige Kokosnuss.

Hier sollen wir also die nächsten Stunden vor uns hinbrutzeln und die maximal mögliche Steigerung des Robinson-Crusoe-Feelings genießen, für das die Malediven stehen. Die Ruhe. Den 360-Grad-Meerblick. Das ultraklare Wasser. Das irisierende Farbspiel. Grün, Blau und alles dazwischen. Den Sand zwischen den nackten Füßen. „Das Paradies“, schwärmt eine der Mitausgesetzten. Ich fühle mich vor allem maximal schutzlos und befürchte, mir den Sonnenbrand meines Lebens einzuhandeln. Das kann nicht das Paradies sein. Dort gäbe es mindestens einen schattenspendenden Apfelbaum.

Ich liebe Inseln. Aber nur solche, die auch ein Hinterland besitzen, zumindest ein bisschen. Das wird mir schlagartig bewusst, als ich das Inseltüpfelchen scanne, diesen Pfannkuchen, der so bleichgesichtig ist wie ich. Hier gibt es kein Geheimnis zu entdecken. Keine noch so kleine Unbekannte. Hier geht nur Schmoren, Schwimmen und Schnorcheln. Von den Gegenständen, die ich zum Überleben auf eine einsame Insel mitnehmen würde, habe ich nur zwei dabei: Block und Kugelschreiber. Doch in der Hitze schmelzen meine Gedanken und meine Konzentration wie Eis.

Ich will zurück auf unsere Hotelinsel. Die ist immerhin mehrere hundert Meter breit, über einen Kilometer lang, bietet Palmen und Bars mit kühlen Getränken. Doch das Boot kommt erst in einigen Stunden.

Malediven
Die palmenbestandene Hotelinsel
Fotos: die reisekorrespondentin

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