Mitbringsel, Niederlande

Interview mit einem Zwerg


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Rastafarifiguren mit Riesenjoints, Vermeer-Gemälde als Playmobil-Edition und Sexshops in Form von Kühlschrankmagneten: Wer sich für neckischen Nippes begeistern kann, hat in den Amsterdamer Andenkenläden die Qual der Wahl. Eine Fundgrube für Überflüssiges sind auch die Flohmärkte, auf denen die reisekorrespondentin (dr) einen Zwerg erstand.

dr: Hallo Zwerg, ich möchte offen zu dir sein. Es war pures Mitleid, warum ich mich für dich entschieden habe. Wie du Flöte spielend auf diesem Fliegenpilz hockst – das sieht einfach nur idiotisch aus. Und obendrein scheinst du vollkommen funktionslos zu sein.
Zwerg: (bläst beharrlich weiter in die Flöte)

dr: Einige Auskünfte hatte ich mir allerdings schon von dir erhofft.
Zwerg: (bläst beharrlich weiter in die Flöte)

dr: Okay, bitte vergiss, was ich gesagt habe. Wahr ist: Ich schätze mich unglaublich glücklich, dass ich dich mein Eigentum nennen darf. Du hast die Aura eines ganz großen Künstlers und beherrschst dein Instrument wie niemand sonst.
Zwerg (setzt die Flöte ab und grinst geschmeichelt): Danke, so etwas höre ich öfter.

dr: Das denke ich mir. Musizieren ist aber gewiss nicht deine einzige Stärke. Als Fabelwesen hast du wahrscheinlich auch einige Tipps parat, wie ein Amsterdam-Aufenthalt zu einem rundum märchenhaften Erlebnis werden kann. Was sollte man in der Stadt unternehmen und was eher nicht?
Zwerg (zwirbelt sich grübelnd den Bart): Das hängt natürlich von den individuellen Vorlieben ab. Einem Höhlen- und Waldbewohner wie mir behagen beispielsweise die Kifferkneipen, weil es in denen schön schummrig ist und krautig duftet. Generell ist für Amsterdam-Besucher wichtig zu wissen: Wenn man an gefragten Sehenswürdigkeiten wie dem Van-Gogh-Museum, dem Reichsmuseum oder dem Anne-Frank-Haus nicht stundenlang anstehen will, sollte man sich die Eintrittskarten vorab besorgen. Und: Ein Wochenende ist zu kurz für Amsterdam. Man sollte mehrere Tage einplanen.

dr: Und selbst dann muss man Prioritäten setzen. Neben Kunst, Kultur und Kneipen ist schließlich auch das Shoppingangebot immens. Wo fängt man da am besten an?
Zwerg (bläst die Pausbacken auf): Puuuuh … Das ist ebenfalls schwer zu sagen. Amsterdam hat allein über 30 Märkte – Bauernmärkte, Käsemärkte, Büchermärkte, Briefmarkenmärkte, schwimmende Blumenmärkte und den größten Trödelmarkt Europas in den IJ-Hallen. Hier kann man echte Raritäten wie mich aufstöbern.

dr: Das stimmt. Wenn man sich aber mehr für klassische Amsterdam-Mitbringsel interessiert: Wo findet man die?
Zwerg: In den Souvenirgeschäften am Damrak vor dem Hauptbahnhof zum Beispiel. Grob zusammengefasst dreht sich das Sortiment um fünf Themen: Cannabis, Käse, die großen Maler, das horizontale Gewerbe und Symbole niederländischer Klischeeidylle. Es gibt Rastafarifiguren, die drei Joints auf einmal rauchen, Taschen und T-Shirts mit Van-Gogh- oder Vermeer-Gemälden, Tulpen aus Schokolade, Holzschuhe, aus denen Hanfblätter sprießen, Kühlschrankmagneten, an denen sich Windmühlenflügel oder nackte Frauenbeine drehen, …

dr: Danke. Dann wollen wir mal weiterziehen und schauen, dass wir eine angemessene Kulisse finden, um dich Star-Musiker für ein Foto aufzustellen.
Zwerg (fuchtelt freudig mit der Flöte): Gerne!

Eine Auswahl aus dem Angebot der Amsterdamer Andenkenläden: Rastafarifiguren, …
Amsterdam_Souvenir_Cannabis_Cookies
… Cannabis Cookies, …
… Kühlschrankmagneten mit Motiven aus dem Rotlichtviertel, …
Amsterdam_Souvenir_Kuehe
… Salz- und Pfefferstreuer in den Farben der berühmten Delfter Keramik, …
Amsterdam_Souvenir_Holzschuhe
… Holzschuhe, aus denen Hanf sprießt, und …
… das Vermeer-Gemälde „Dienstmagd mit Milchkrug“ als Kunstdruck …
… oder Playmobil-Edition
Eine Fundgrube für Überflüssiges sind auch die Amsterdamer Flohmärkte.
Zwerg posiert vor dem Reichsmuseum.
Fotos: pa

3 Comments

  • Die beiden letzten Fotos, so empfinde ich, haben etwas Filmisches. Etwa dystopisches Genre, Alltagstrubel vor der Eskalation im Spannungsbogen. Zu dem bahnhofshaften Foto assoziiere ich Stephen King oder War of the worlds. Das Bild mit dem Zwerg, der in Häßlichkeit den Rastafaris nicht nachsteht, hat irgendwas von Brügge.

    Amsterdam. Fällt mir zu ein: Gestern vor 13 Jahren wurde Theo van Gogh dort ermordet. Von einem frommen Mann. Was fromme Männer so machen auf der ganzen Welt. In Deutschland kriegt man dann ein Haus gebaut. Wegen der schweren Kindheit und so.

  • Van Gogh passt doch, oder? Wo er schon im Text erwähnt wird. Theo van Gogh war übrigens der Urenkel eines gleichnamigen Kunsthändlers, ohne dessen Hilfe man nie von dessen Bruder, dem durchgeknallten Maler, gehört hätte. Geschweige denn, dass pubertierende Jugendliche sich „gestirnte Nächte“ oder Abendcafe-Szenen in Arles neben den durchgenudelten Che Guevara gepinnt hätten.
    Vermeer oder de Hooch sind da schon eine ganz andere Hausnummer.

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