Frankreich, Mitbringsel

Interview mit einem Plüschstorch


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Störche als Schlappen, Fingerpuppen, Handyhalter und Schirmständer: In den elsässischen Städten und Städtchen sind die Vögel nicht nur auf Kirchen, Schornsteinen und in Baumwipfeln zu sichten, sondern auch vielerorts in den Souvenirläden. die reisekorrespondentin (dr) entschied sich in Kaysersberg für einen Plüschstorch und fragte ihn nach den schönsten Mitbringseln aus der nordfranzösischen Region.

dr: Salut Plüschstorch! Wie wunderbar, dass deine natürlichen Artgenossen wieder so zahlreich im Elsass anzutreffen sind, nachdem sie aus der Gegend einmal fast verschwunden waren.
Plüschstorch (schlägt begeistert mit den Kunstfellflügelchen): Das stimmt. Mitte der 1970er Jahre hatte die Storchenpopulation einen Tiefstand erreicht. Nur noch neun Paare wurden im Elsass gezählt. Dabei gehören die Vögel zu den fünf „C“, die traditionell für die Identität der Region stehen: Cigognes (Störche), Cathédrale (das Straßburger Münster), Colombages (Fachwerk), Choucroute (Sauerkraut) und Coiffe (die Trachtenhaube). Rettungsaktionen haben jedoch erfolgreich zur Wiederansiedlung meiner Spezies beigetragen. Manche Menschen betrachten uns schon als Plage.

dr: Die Vermehrung der Souvenirs in Storchengestalt gleicht tatsächlich einer Invasion. Aber was waren denn das für Aktionen zur Rettung der echten Störche?
Plüschstorch: Durch jahrelange Haltung in Volieren hatte man uns den Zuginstinkt abgewöhnt, für die Wintermonate nach Afrika zu fliegen. Von der gefahrenreichen Reise waren viele von uns nicht zurückgekehrt. Zudem wurden Päppelstationen für kranke und verletzte Störche eingerichtet.

dr: Bei dir Miniaturausgabe muss man sich jedenfalls keine Sorgen machen, dass du verlorengehst. Mit deinen Stummelflügeln kannst du vermutlich gerade einmal von einem Souvenirstand zum nächsten flattern, nicht aber auf andere Kontinente.
Plüschstorch (senkt geknickt das Köpfchen): So ist es. Meine Proportionen entsprechen leider nicht denen der elsässischen Störche aus Fleisch und Federn, die etwa einen Meter groß werden und über eine Flügelspannweite von bis zu zwei Metern verfügen. Ich messe bei einer Körpergröße von knapp 20 Zentimetern lediglich zwölf Zentimeter von einer Flügelspitze bis zur anderen.

dr: Auch wenn du aufgrund dieser Fehlkonstruktion kaum herumgekommen bist: Haben dir deine flugtüchtigen Verwandten vielleicht davon berichtet, wo im Elsass es am schönsten ist?
Plüschstorch (kullert nachdenklich mit den schwarzen Augen): Das ist Geschmacksache und lässt sich nicht pauschal beantworten. Wer das geballte Elsass-Klischee will, kann diese Sehnsucht wunderbar in Kaysersberg, Ribeauvillé, Riquewihr oder auch im Colmarer Stadtteil „Klein-Venedig“ stillen. Dort reihen sich farbenprächtige, blauregenbehangene und mit schmiedeeisernen Schildern geschmückte Fachwerkhäuser dicht an dicht, dass man vor lauter Nachobengucken aufpassen muss, nicht mit anderen Nachobenguckern zusammenzuprallen und auf dem holprigen Kopfsteinpflaster hinzufallen. In eigener Sache möchte ich Elsass-Reisenden auch einen der Storchenparks ans Herz legen, zum Beispiel den „NaturOParC“ bei Hunawihr. Und natürlich gehört Munster zum Pflichtprogramm. In dem Vogesenstädtchen haben wir Störche uns besonders zahlreich breitgemacht.

dr: Zu den Lieblingsspeisen von Störchen zählen Frösche, Reptilien und Regenwürmer. Welche Delikatessen erwarten uns Menschen im Elsass?
Plüschstorch (plustert sich auf): Ach herrje, wo soll ich da jetzt anfangen … Also, wer es herzhaft mag: Würste verfeinert mit Anis, Trüffel oder Walnüssen, Gänseleberpastete, Sauerkraut, Flammkuchen, Senf und selbstverständlich der berühmte Munsterkäse. Süßmäuler können sich auf Früchtebrot, Gugelhupf, weißen Nougat und Lebkuchen in vielen Variationen freuen. Die elsässischen Weine, Biere und Obstliköre müssen ebenfalls erwähnt werden. Vielerorts laden Käsekeller, Feinkostläden und Weinstuben zum Probieren regionaler Spezialitäten ein.

dr: Was sollte man sich außer diesen Leckereien sonst noch aus dem Elsass mitnehmen?
Plüschstorch (legt den Kopf schief und schaut herzallerliebst): Typische Andenken sind Schnitzarbeiten, bunte Tischtücher, Töpferwaren und Trachtenpuppen. Aber meine erste Empfehlung lautet: einen goldigen Plüschstorch wie mich!

dr: Ich danke dir für die Auskünfte.