Lieblingsunterkünfte, Myanmar

Inle Princess Resort, Zikadentrillern und Badewannen in Bootsform


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Morgens, wenn sich die Sonne wie ein praller Pfirsich über dem See erhebt und das Zirpen der Zikaden erstirbt, ist der schönste Moment im Inle Princess Resort im Norden von Myanmar. Man reibt sich verschlafen die Augen und beginnt zu begreifen, dass das alles kein Traum ist – auch wenn es sich wie einer anfühlt.

Nach dem ersten Kaffee sehe ich klarer, aber nur ein bisschen. Nein, das alles war kein Traum. Nicht die Nacht im himmlisch weichen Kingsize-Bett, das mit seinen bauschigen Moskitonetzschleiern wie eine ins Zimmer herabgeschwebte Wolke wirkt. Nicht das wohltuende Bad in der Badewanne, die wie ein gestrandetes Boot auf dem Teakholzboden steht, weil sie wie ein solches geformt ist. Nicht der Abend auf der Terrasse, als das Zikadenkonzert die Stille wie Tausende von Trillerpfeifen zerschnitt.

Und dieser Sonnenaufgang über den Reisfeldern am Inle-See ist ebenfalls keine Illusion, so unwirklich das obstsalatbunte Spiel der Farben auch erscheinen mag. Ob die anderen Gäste noch in den Wolkenbetten liegen oder wie ich schweigend auf der Veranda ihrer Villa sitzen und den Blick auf den immer praller werdenden Sonnenpfirsich genießen? Alles ist still. Es ist diese feierliche Ruhe, die ganz selten entstehen kann, wenn die Stimmen der Nacht verklungen sind und der Tag noch nicht singt, weil er seinen Einsatz in den Kanon irgendwie verschlafen hat. Ein Moment, in dem sich die Erde mal nicht weiterzudrehen scheint, sondern alles Gegenwart ist.

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Kein Traum, sondern Wirklichkeit: Badewannen in Bootsform

Als ich mit meinem zweiten Kaffee auf der Liege sitze, läuft die Revue im Kopfkino weiter. Kreuz und quer sind wir gestern vom Inle Princess Resort mit kleinen Langbooten über den See getuckert. Eine Reise wie durch das Bühnenbild eines Theaterstücks voller erfinderischer und akrobatischer Akteure unter der Regie des Elements Wasser, bei der wir aus dem Staunen über Undenkbarkeiten gar nicht mehr herauskamen. Kann man mitten auf einem See in Pfahlhütten aus Bambusflechtwerk leben, die aussehen, als würden sie unter der Last gigantischer Satellitenschüsseln beim leichtesten Fingerschnippen gegen die Stelzen wie Kartenhäuser zusammenbrechen? Man kann, wie das Volk der Inthas beweist.

Ist es möglich, mitten auf dem Wasser schwimmende Felder aus Erde und Wasserhyazinthen mit Gemüse, Früchten und Blumen zu bestellen? Bei den Inthas, die so kunstfertig zwischen den Gärten und Pfahlhäusern herumpaddeln, als wären sie in Booten auf die Welt gekommen, sieht das kinderleicht aus. Kann es funktionieren, ein Bein um ein Paddel zu schlingen und auf diese Weise zu rudern, um gleichzeitig Reusen auszuwerfen oder den Fang einzuholen? Die Fischer auf dem Inle-See meistern den Balanceakt mit schlafwandlerischer Sicherheit. Kann man Lotus zu Fäden spinnen und daraus Kleidung herstellen? Die Webereien am Inle-See können das. Lotus soll eine kühlende Wirkung besitzen – welch wunderbare Eigenschaft bei den Saunatemperaturen hier im Norden von Myanmar.

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Beinrudertechnik der Fischer auf dem Inle-See
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Besuch in einer Lotusweberei

Und wie kann man in die Tragfähigkeit dünner Teakholzstelzen so sehr vertrauen, um darauf über modrigem Seegrund ganze Gotteshäuser zu erbauen? Klöster, Tempel und Pagoden voller Kostbarkeiten wie jahrhundertealten Buddha-Figuren? Die Leute am Inle-See können das. Mit unglaublichem Gleichmut bessern sie in einem fort ihre Behausungen und Gebetsstätten aus. Nur die Fortbewegung mit dem Boot – sei es, um auf dem Markt einzukaufen, in den schwimmenden Gärten einige Gurken zu ernten oder einen Nachbarn zu besuchen – scheint für die Seebewohner noch selbstverständlicher zu sein als die mühevolle Verteidigung ihrer zarten Welt gegen die Gier der Vergänglichkeit. Nicht nur das Wasser, auch das feuchtheiße Klima beschleunigen die Zersetzung dieses einzigartigen Menschenwerks.

Es ist aber auch gar nicht so, dass die Inthas ihr Wohl und Wehe nur von der Haltbarkeit der Holzstelzen abhängig machen. Jedes Jahr im Oktober unternehmen die Buddha-Figuren aus der Phaung-Daw-Oo-Pagode eine große Bootsfahrt in die Umgebung, um das Glücksreservoir der Dörfer wieder aufzufüllen. Weil an den übrigen Tagen zahlreiche Gläubige in die Pagode kommen, um ihre Glücksbringer generös mit Blattgold zu bekleben, wiegt die Fracht von Jahr zu Jahr schwerer.

Das Inle Princess Resort gibt sich große Mühe, damit sich Touristen nicht wie Eindringlinge in einen fragilen Kosmos fühlen müssen. Die Betreiber der Anlage gehen mit dem Masterplan des myanmarischen Tourismusministeriums für die Entwicklung eines nachhaltigen Tourismus überein und setzen auf eine faire Beschäftigung der Einheimischen sowie auf Maßnahmen zur Vermeidung und umweltgerechten Entsorgung von Müll, zur Reduzierung von Chemikalien und Pestiziden und zur Einsparung von Wasser und Energie.

Das Öko-Resort liegt am Ostufer des 22 Kilometer langen und acht Kilometer breiten Inle-Sees. Bis zum Flughafen von Heho dauert die Fahrt rund 50 Minuten. Es gibt 46 Chalets mit Blick auf den See, den Garten oder die Berge. Im Baustil der 1998 eröffneten Anlage soll sich die Kultur der Inthas spiegeln. Die Gebäude sind dunkel lasiert, das Interieur wird von Teakholz und Bambus dominiert. Einige Bungalows verfügen über den Komfort von Außenduschen, andere über den von Badewannen in Bootsform. Die Speisekarte des Restaurants hält eine ebenso bunte Mischung aus Lokalem, Asiatischem und Europäischem bereit wie das Wellness-Menü des „Princess’s Spa“ mit Meditation, Yoga, Reiki, Sauna, Hydrotherapie und dem Besten der myanmarischen Natur-Apotheke wie Kokosnussöl-Haarpackungen und Gesichtsbehandlungen mit Thanaka-Paste aus der Rinde eines Zitronenbaums.

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Bungalow mit Bergblick
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Ein feiner Platz für einen Drink am Abend

Uns wird keine Zeit bleiben, die Anti-Aging-Wirkung des Mittelchens zu testen, in der Bibliothek zu schmökern oder die Schätze des Weinkellers zu verkosten. Denn so angenehm und friedvoll es in dem Resort auch ist: Wir wollen wieder auf den See. Uns behutsam annähern an diese Welt, in der die Zeichen des 21. Jahrhunderts, wie wir es kennen, sich auf Satellitenschüsseln, schiefe Strommasten und Reklame an den ergrauten Fassaden der Pfahlhäuser beschränken. Ach ja, nicht zu vergessen die Souvenir-Shops. Sie bieten alles, was das Herz des Myanmar-Touristen begehrt: Massen von T-Shirts, Buddha-Figuren, Marionetten, Lackwaren, Taschen, Decken. In den Tempeln mitten auf dem See. Aber die Inthas sind auf dem Wasser schließlich auch Meister der Logistik.

Der Sonnenpfirsich hat sich inzwischen voll und ganz aus dem Schilf erhoben. Aus dem Blassblau des Himmels ist ein Niveablau geworden. Die aprikosengelben, pampelmusenorangen und erdbeerroten Farbschweife sind verflogen. Alles ist traumhaft schöne Wirklichkeit, zerbrechlich wie ein Traum.

Inle Princess Resort: www.inleprincessresort.net

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Bootsfahrt durch die Pfahlhüttendörfer des Inle-Sees
Myanmar_Inle_See_Pfahlhaeuser
Manche Behausungen wirken zerbrechlich wie Kartenhäuser.
Fotos: Inle Princess Resort (4), pa

 

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