Deutschland, Fotoreportagen

Kunstschau „NordArt“: Wutschweine und mongolische Steigbügel-Mobiles in Büdelsdorf


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Die Schweine haben so richtig die Sau rausgelassen. Auf dem zehn Meter langen Bankett sieht es aus wie auf einem Schlachtfeld. Zwischen Flaschen und Fleischresten liegen mit stierenden Augen die ersten Opfer der …

… Maßlosigkeit. „Festmahl“ nennt sich das Begrüßungskomitee aus schwarzem Stahlguss in der Eingangshalle der 17. „NordArt“, das sogleich mit voller Wucht klarstellt: Die Besucher der internationalen Ausstellung in Büdelsdorf können sich auf düstere Gegenwartskunst im XXL-Format gefasst machen.

Büdelsdorf? Das klingt nach schleswig-holsteinischer Provinz und in eben dieser befindet sich das Städtchen auch. Man müsste es also nicht kennen, würde dort nicht in den gigantischen Werkhallen der stillgelegten Eisengießerei Carlshütte auf 22.000 Quadratmetern jedes Jahr im Sommer eine der größten Schauen zeitgenössischer Kunst in Europa stattfinden. Die 17. Auflage umfasst Werke von 250 Künstlern aus mehr als 50 Nationen – Bilder, Fotografien, Skulpturen, Videos und Installationen. Länderschwerpunkt ist die Mongolei mit einem eigenen Pavillon. Ein Streifzug in Bildern.

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In der Eingangshalle feiern die Schweine des chinesischen Künstlers Lv Shun eine stahlgussgewordene Orgie der Wut. Das Schwergewicht passt als Ouvertüre der Kunstschau in einem ehemaligen Eisenwerk natürlich sehr gut.

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Ob die reisekorrespondentin am Ende des Ausstellungsbesuchs auch noch so fröhlich gestimmt sein wird?

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Rostige Stahlträger und nackter Beton bilden die Bühne für die finstere Kunst der „NordArt“. In den gewaltigen Hallen wirken selbst große Installationen mitunter verloren. Zum Beispiel dieses Kriegsheer, …

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… der bläulich illuminierte „Schwanentornado“, …

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… die „Verhausungen, irdisch“ von Simone Fezer (Deutschland) und …

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… die kopflosen Frauenfiguren des „Halfway to Heaven“ von Beate Schubert & Stefan Hulbe (Deutschland/Spanien).

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Selbst die hintersten Ecken des Industriedenkmals Kunstwerk Carlshütte werden bespielt, etwa mit diesem überdimensionierten Affen aus Filz. „Monovidens“ heißt das Geschöpf des spanischen Künstlers Antonio Vigo Pérez.

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Im mongolischen Pavillon beschäftigen sich Steigbügel-Mobiles mit den kulturellen und religiösen Wurzeln des Nomadenvolks in Zentralasien.

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An die Reitertradition erinnern auch die Porträtskulptur „Innovation“ aus lackierten Pferdehaaren und …

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… dieses für den Transport optimal verschnürte Baby.

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Endlich: ein farbenfroher Lichtblick. Nein, doch nicht, wie sich beim Näherkommen zeigt. Die Tiere des Ölgemäldes von Narbayasgalan Ulambayar sind „Zum Experiment bereit“.

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Aber jetzt: ein sechs Meter langes Großformat mit bunten Klecksen

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Wieder falsch. Es sind lauter ineinander verknotete Menschen und Tiere.

Die 17. „NordArt“ läuft noch bis zum 4. Oktober. Auf dem Außengelände des Kunstwerks Carlshütte gibt es zudem einen 80.000 Quadratmeter großen Skulpturenpark mit 100 Exponaten zu sehen.

6 Comments

  • Gefällt mir – wie man heute so sagt. Besonders die Drecksschweine da. Erinnert so ein wenig an das letzte Abendmahl. Wie viele Säue sind das gleich?

    Insgesamt sehr super, die Bilder.

    Sind Sie eigentlich gebürtig Chinesin – oder sind die Haare echt blond? Sie wirken irgendwie sehr schüchtern und lieb auf dem Bild. Das kontrastiert sehr hübsch mit der Schreibe.

    • Dankeschön für den freundlichen Kommentar. Die Bilder sind deswegen super, weil die Ausstellung formidabel war – mit starken Motiven en masse, darunter eben auch benannte Schweine (ich glaube, die Anzahl ist kongruent mit jener der Teilnehmer bei Leonardos Abendmahl, aber die Referenz ist ja ohnehin glasklar).

      Die China-Frage ist lustig: Nein, ich habe in der Mitte Deutschlands das Licht der Welt erblickt und bin im wunderschönen Norden der Republik – unweit des NordArt-Gastgebers Büdelsdorf – aufgewachsen.

      Habe eben nachgeschaut: Am 4. Juni startet die nächste Auflage, diesmal mit dem Länderschwerpunkt Israel. Ein Besuch wäre sicherlich wieder alles, nur keine Zeitverschwendung.

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