Brasilien, Lieblingsunterkünfte

Tivoli Ecoresort Praia do Forte, Babyschildkröten beim Schwimmkurs


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Im Norden Brasiliens, an einem Palmenstrand, der niemals zu enden scheint, liegt das Tivoli Ecoresort Praia do Forte. Die Anlage will Luxus mit Nachhaltigkeit verbinden und engagiert sich für den Schutz der Meeresschildkröten. Von den Bungalows sind es nur wenige Minuten bis zu den Becken, in denen Babyschildkröten ihre ersten Schwimmzüge proben.

In den vergangenen Tagen hat es kräftig geregnet. Der Regenwald ist voller Pfützen, und deshalb macht unser Quad-Ausflug auch besonders viel Spaß. Mit Vollgas düsen wir durch die Wasserlachen, dass der Matsch nach allen Seiten spritzt, bis auf die Bananenstauden, hinter denen die Äffchen in Deckung gegangen sind, weil sie unsere knatternde Kolonne gar nicht so lustig finden.

Wir haben die motorisierten Kraftpakete unweit des Tivoli Ecoresort Praia do Forte übernommen. Die Anlage bei Salvador da Bahia im Norden Brasiliens muss sich strengen sozial- und umweltverträglichen Auflagen unterwerfen, um in dem Naturschutzgebiet Gäste empfangen zu dürfen. Doch vor den Toren des Hotels scheinen laxere Regeln zu gelten. So werden neben Quadsafaris auch Kanutouren auf dem Rio Imbassai, Canopy (man saust mit einem Seil über einen See) und Speedbootfahren angeboten, obwohl sich im Meer eine sensible Spezies tummelt: Schildkröten.

Tivoli Ecoresort
Blick in den Garten des Tivoli Ecoresorts Praia do Forte

Vom Tivoli Ecoresort Praia do Forte sind es nur einige Hundert Meter bis zum Projeto Tamar, das sich seit über drei Jahrzehnten mit 21 Stationen für den Schutz der Meeresschildkröten an den Küsten Brasiliens einsetzt. Das Besucherzentrum mischt Erlebnis mit Erziehung, was durchaus sinnvoll ist: Wer die süßen Babyschildkröten gesehen hat, ist für den didaktischen Teil gewiss empfänglicher. Der frisch geschlüpfte, kaum handtellergroße Nachwuchs lässt sich dabei beobachten, wie er in einem kleinen Becken seine ersten Schwimmzüge probt, hektisch und orientierungslos.

Ganz anders die erwachsenen Schildkröten, die gravitätisch ihre Bahnen ziehen und mit ihren graugrünen Panzern wie schwimmende Felsbrocken aussehen. Einige Meter weiter demonstriert ein Beutel mit Plastik den Inhalt eines Schildkrötenmagens. Denn dummerweise können die Tiere ihre Leibspeise – Quallen –  nicht von Kunststoffmüll unterscheiden. Und davon schwimmt im brasilianischen Atlantik viel zu viel. Ein anderes Problem ist die Vermehrung der Schildkröten. Sie legen ihre Eier nicht gerne dort ab, wo Trubel ist.

Bahia Schildkröten
Plastikreste aus einem Schildkrötenmagen

Das Tivoli Ecoresort Praia do Forte verzichtet deswegen auf Musik und Bars am Strand. Überdies sind alle Gebäude der 292-Zimmer-Anlage nicht höher als die Palmen, so dass man von den Balkonen mit Hängematten mitten in einen grünen Blätterwald schaut – und manchmal auch auf träge Schwarzleguane beim Sonnenbaden sowie auf Äffchen, die den Fokus auf allem Essbaren haben. Auch bei der Dekoration will das Hotel nachhaltig punkten: Die Bilder und großbusigen Skulpturen stammen von lokalen Künstlern. Und damit die Gäste hin und wieder ins nahegelegene Fischerdorf ausschwärmen, wird statt All-inclusive nur Halbpension angeboten.

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Tierbesuch im Tivoli Ecoresort Praia do Forte: Äffchen …
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… und Schwarzleguane

Als ob der zwölf Kilometer lange Strand nicht genug wäre, verfügt die Fünf-Sterne-Anlage der portugiesischen Gruppe Tivoli Hotels & Resorts über acht Pools, liegenbestandene Wiesen und eine weitläufige Wellness-Welt. Die kleinen Gäste werden im Kids Club beschäftigt, und so ist es die meiste Zeit des Tages wunderbar friedlich. Allein die Vögel tirilieren und das Meer rauscht, wenn Flut ist. In den Abendstunden bestimmen Zikaden den Sound.

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Hotelstrand

Erst beim Besuch von Salvador da Bahia wird uns aber in vollem Ausmaß klar, wie idyllisch die Schildkröten und Touristen in Praia do Forte wohnen. Die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia besteht aus einem dicken Speckgürtel mit fast 700 Armenvierteln, einem 45 Kilometer langen, vernachlässigt wirkenden Sandstrand und seelenlosen Wolkenkratzern dort, wo früher klassizistische Prachtvillen standen. „Die Brasilianer lieben alles, was neu ist“, erklärt unser Guide, der vor vielen Jahren Niederbayern gegen Brasilien eintauschte und seinen Vornamen Gustl gegen Gustavo.

Und wirklich, die drittgrößte Stadt Brasiliens scheint keine Ehrfurcht vor der Geschichte zu kennen und liftet sich ohne Sentimentalitäten. Wie ein graues Balkendiagramm streben die Hochhäuser hinter der Küste auf. Allerdings ist in der Vergangenheit auch einiges passiert, auf das die Metropole nicht gerade stolz ist: die portugiesische Herrschaft zum Beispiel, die Sklaverei und der Verlust des Hauptstadtstatus.

Salvador da Bahia Beach
Strand in Salvador da Bahia

Womöglich gäbe es auch den größten Schatz von Salvador da Bahia – die Altstadt Pelourinho – nicht mehr, wäre er nicht 1985 von der Unesco unter Schutz gestellt worden. Einst fanden in dem Viertel Sklavenmärkte, Auspeitschungen und Hinrichtungen statt. Später kamen die Künstler, dann Kriminelle und Prostituierte, und schließlich, als das gottlose Gesindel halbwegs gebannt war, folgten die Touristen. Für sie wurden die Häuser in Obstsalatfarben bemalt und mit Bars, Restaurants und Shops bestückt. Und für sie ziehen sich die Frauen trotz barbarischer Backofenhitze die Baiana-Trachten mit langen Röcken und voluminösen Turbanen an, auf dass sie als Fotomotiv genutzt und bezahlt werden.

Salvador da Bahia Straße
Die obstsalatfarbene Altstadt

Wir tauchen in die Kühle der Kirche des Heiligen Franziskus ein und sind geblendet: Über uns glänzt auf feinsten Holzschnitzereien tonnenweise Blattgold. Das Gotteshaus ist ein Hammerschlag barocker Verschwendung, ein Himmel voller Sterne, Vögel, Pflanzenranken und Putten. Wie wir einem Infoblatt entnehmen, können wir gleich nebenan im Kreuzgang allerhand Szenen aus dem „moralischen Theater des menschlichen Lebens“ sehen. Und tatsächlich, 37 Mosaike aus blauweißen Azulejos illustrieren, was Aberglaube, Habgier, Völlerei und andere Sünden anrichten können. „Neid ist ein großes Übel“ steht unter einem der Bilder, auf dem die Haare eines Mannes zu Schlangen werden.

Salvador da Bahia Kirche
Barocke Pracht: die Kirche Sao Francisco
Fotos: pa

Die Schildkrötenstation in Praia do Forte setzt beim Zeigefingerheben ebenfalls auf Anschaulichkeit. Neben den unappetitlichen Plastikresten gibt es auch Panzermodelle zum Anfassen und Eiermodelle zum Reinschlüpfen.

Tivoli Ecoresort Praia do Forte: www.tivolihotels.com

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