Deutschland, Mitbringsel

Interview mit einer Rüdesheimer Hexe


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Nussknacker aus dem Erzgebirge, Schloss Neuschwanstein in Schneekugeln und Hexen, die aussehen, als wären sie geradewegs aus dem Harz herbeigeflogen: Die Läden in der Rüdesheimer Drosselgasse bieten ein Best-of deutscher Andenken, jedoch kaum Typisches für die Region. die reisekorrespondentin (dr) fand den Hokuspokus recht befremdlich und befragte ein Wesen, das sich damit auskennen sollte.

dr: Hallo Hexe, man könnte denken, dass du die direkte Luftlinie vom Bocksberg in die Rüdesheimer Weinberge genommen hast.
Hexe (lacht laut und höhnisch, dass die Warze auf ihrer Nase zittert): Ihr Menschen seid unfassbare Naivlinge. Ich sehe dir genau an, dass du etwas ganz anderes denkst!

dr: Okay, gut. Ich denke, du bist aus einem der Souvenirshops in der Drosselgasse ausgebüxt, weil du dort würdelos herumgehangen hast, immerfort von den Menschenmassen angerempelt wurdest und keiner dich kaufen wollte, weil du so hässlich bist.
Hexe (fliegt einen Looping über die Reben und fällt vor Lachen fast vom Besen): Was für ein Unfug! Die Touristen kaufen alles: Kuckucksuhren aus Plastik, Kapuzenpullis mit Reichsadler, „Tussi“-Filzhüte mit Knutschmund und rosa Wollzopf, Plüschtier-Elche, Nussknacker, Froschkönige, Kunstfellmützen, Küchenschürzen mit Oktoberfest-Dirndl-Aufdruck, trutschige Schuhe, Schmuckteller mit …

dr: Ja, schon gut, du Hexe Neunmalklug! Dann sag mir bitteschön auch, warum die Drosselgasse diese magische Anziehungskraft besitzt.
Hexe: Nun ja, die Fachwerkhäuser sehen schon einigermaßen liebreizend aus. Manche sind so richtig schön krumm und schief. Eigentlich echte Wohlfühlhexenhäuschen, wenn nicht all die Menschen wären. Die Straußenwirtschaften mit ihren Quetschkommodenspielern finde ich auch gar nicht so übel. Und die Seilbahn zum Niederwalddenkmal ist herrlich! Da bin ich mal heimlich zugestiegen. Sie schwebt fast lautlos über die Reben und ist viel bequemer als mein Besen. Und ich konnte in aller Ruhe die Aussicht auf den Rhein genießen, ohne zu befürchten, dabei gegen irgendeinen Strommasten zu prallen. Fliegen ist auch nicht mehr das, was es mal war.

dr: Früher war alles besser, ja klar. Das beweist auch das mittelalterliche Foltermuseum von Rüdesheim, in dem Schandmasken, Streckbänke und andere Schrecklichkeiten an die Zeit der Hexenverfolgung erinnern. Wie passt das eigentlich mit der Drosselgassenheiterkeit zusammen?
Hexe (rollt mit den Augen und fuchtelt mit dem Besen): Du kannst Fragen stellen! Auf euren Rummelplätzen stehen die Gruselkabinette doch auch direkt neben den Achterbahnen. Wir haben hier sogar ein Gefängnisrestaurant, in dem die Leute dafür bezahlen, dass sie sich Sträflingsmützen aufsetzen, ihre Fingerabdrücke abgeben und eine Henkersmahlzeit verzehren dürfen.

dr: Welches Andenken sollte man sich denn nun aus diesem bunten Allerlei mitnehmen?
Hexe: Ich empfehle die Asbach-Uralt-Pralinen, die sind original aus Rüdesheim, sehr lecker und schlecht für die Zähne. Mich kriegst du jedenfalls nicht. Ich reite jetzt zu meinen Schwestern auf dem Blocksberg, juchhe! (es gibt einen Knall, als die Hexe einen Katapultstart hinlegt und im Höllentempo über die Weinberge davonjagt)

Rüdesheim Seilbahn
Schweben über Reben: die Seilbahn zum Niederwalddenkmal
Ruedesheim Souvenirs4
Rüdesheimer Souvenirvielfalt: Plüschtiere, …
Ruedesheim Souvenir2
… Küchenschürzen in Oktoberfest-Optik, …
Ruedesheim Souvenir3
… Hexen aus dem Harz und …
Ruedesheim Souvenir
… Kapuzenpullis mit Bundesadler.
Fotos: pa

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