Interview mit einem Weihnachtsdackel

Schneeballen mit Nougat, Wein im Bocksbeutel und Unmengen an Christbaumschmuck: Die fränkische Touristenhochburg Rothenburg ob der Tauber hält vielerlei delikate und dekorative Mitbringsel bereit. In einem der Souvenirshops fischte die reisekorrespondentin (dr) nach dem Zufallsprinzip einen weihnachtlich kostümierten Dackel heraus. Im Gespräch wurde offenbar, was es mit der Aufmachung auf sich hat – und welche Ecken der Region man am besten nicht verpasst.

dr: Hallo, ich spreche dich jetzt einfach mal als Weihnachtsdackel an. Mit dem Geweih und den Geschenken auf dem Rücken siehst du wie eine Kreuzung aus Hund, Rentier und Paketbote aus. Kannst du mir dein Outfit vielleicht genauer erklären?
Weihnachtsdackel (kläfft verärgert): Ich bin eine Hilfskraft des Christkindes, das ist doch eindeutig.

dr: Verstehe, das ist natürlich eine wichtige und ehrenvolle Aufgabe. Durch den in Rothenburg ansässigen Weihnachtsschmuckspezialisten Käthe Wohlfahrt mit seinen allseits beliebten Christbaumkugeln, Nussknackern, Spieluhren, Schwibbögen und Pyramiden hast du bestimmt immer alle Hände – ähm, korrigiere, Pfoten – voll zu tun.
Weihnachtsdackel (kläfft wichtigtuerisch): Das kann man wohl sagen. Erwachsene und Kinder aus aller Welt lieben unsere Weihnachtsartikel.

dr: Wenn man mit dem ganzen weihnachtlichen Kitsch und Krempel nichts am Hut hat und lieber ein anderes Andenken aus der Stadt mitnehmen möchte: Was kannst du in diesem Fall empfehlen?
Weihnachtsdackel (kläfft empört): Ich bin auch ein Käthe-Wohlfahrt-Produkt! Findest du mich etwa kitschig?

dr (flunkert, um zu beschwichtigen): Ähm, nein, natürlich nicht. Du wirkst durch und durch authentisch. Aber bitte beantworte doch meine Frage.
Weihnachtsdackel (wiegt den Kopf nachdenklich): Wenn es wirklich etwas anderes sein muss: Bei euch Menschen sind Schneeballen äußerst beliebt. Die kugelige Gebäckspezialität gibt es in etlichen Variationen – mit Amaretto, Marzipan, Nougat, Zimt, Erdbeercreme … Weiß- oder Rotweine im regionaltypischen Bocksbeutel sind ebenso ein Klassiker. Zur Wahl stehen Rebsorten wie Silvaner, Bacchus, Scheurebe, Domina und Spätburgunder. Ich bevorzuge fränkische Fleischerzeugnisse wie Brat- und Leberwurst.

dr: Wenn man nichts Verbrauchbares, sondern etwas Dauerhaftes sucht: Was gäbe es da?
Weihnachtsdackel (kläfft gelangweilt): Das übliche unspektakuläre Einerlei wie Taschen, T-Shirts, Schlüsselanhänger, Krüge und Kühlschrankmagneten, aber auch spezielle Läden für Töpferwaren, Teddybären, Porzellanpuppen, Holzkunst oder mittelalterliche Waffen. Und noch ein Tipp: Wer lokale Künstler und Handwerker unterstützen will, kauft bei einer der Manufakturen des Gemeinschaftsprojekts „Handmade in Rothenburg“ ein.

dr: Als Geschenkelieferant kommst du sicherlich viel in der Gegend herum. Welche Sehenswürdigkeiten sollte man denn bei einem Besuch in Mittelfranken abseits größerer Städte wie Nürnberg oder Erlangen nicht verpassen?
Weihnachtsdackel (wedelt freudig mit dem Schwanz): Rothenburg selbstverständlich. Das Städtchen ist eine Schatzkammer mittelalterlicher Baukunst und nahezu frei von modernistischen Störern. Jährlich reisen zwei Millionen Menschen aus nah und fern hierher, um sich von dem märchenhaften Anblick verzaubern zu lassen.

dr (kräuselt kritisch die Stirn): Eher entzaubernd ist allerdings das Gedränge in den Gassen. Wenn man es etwas ruhiger mag: Wo sollte man stattdessen hinfahren?
Weihnachtsdackel: Dinkelsbühl, Ochsenfurt oder Sommerhausen sind auch bildhübsche Orte – und deutlich entspannter. Wer sich lieber in der Natur aufhält: Der Erlebnispfad auf den Petersberg bei Marktbergel, der Streuobstwiesenpfad in Burgbernheim und der Schneckenweg durch die Weinberge über Sommerhausen sind allesamt wunderschön und lehrreich zugleich.

dr: Vielen Dank für die Auskünfte.
Weihnachtsdackel (jault fordernd): Und jetzt hätte ich gerne ein Leckerli zur Belohnung.

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1 Kommentar

  1. Als Ehrenbürger von Ochsenfurt möchte ich witzigerweise eine Lanze für Sommerhausen brechen, vor allem für ein wunderbares Café. Darüber hinaus bin ich dankbar, dass es den Touristenpuff Rothenburg gibt, hält er doch die schlimmste Flut von meiner Heimatstadt ab, die wundersamer Weise in keinem Krieg Schaden genommen hat. Die Häuser der Altstadt sind alle bewohnt. And the winner is, ratet mal liebe Pilarfans.

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